Winterwanderung zum Jahresabschluß am 7.12.2019

Text: Dr. Agnes-M. Daub

Foto A. Seilkopf

 

17 Teilnehmer trafen sich am Samstagmorgen in Goslar-Oker östlich des Sudmerberges in dem nach dem verheerenden Hochwasser von 1981 aufgelassenen Kiesabbaugebiet an der Oker, um bei einem winterlichen Spaziergang Fauna und Flora zu erleben. Ein Handout (s. Downloads) aus der Feder von Gerwin Bärecke, der die Leitung übernommen hatte, erklärt, wie dieses Gebiet entstanden ist, und, dass hier auf kleinstem Raum diverse Biotoptypen mit riesiger Artenfülle vorhanden sind, nämlich Wald, Heideflächen und vegetationsarme Flussschotterareale, Feuchtgebiete, Teiche und Fließgewässer.
Nachdem es die ganze Nacht durch geregnet hatte, konnte die zweistündige Wanderung bei trockenem Wetter, teilweise sogar bei Sonnenschein, unternommen werden.

 

Foto A. Daub

 

Leider zeigten sich die erwarteten Spinnen wegen der Restfeuchte nicht, ihr bevorzugtes Habitat sind die offenen leicht erhabenen Schotterflächen.

 

An Insekten fanden sich Mücken, die in den Sonnenstrahlen tanzten, Birkenwanzenlarven (Kleidocerys resedae) zwischen Haselkätzchen und die Rollflügelsteinfliege (Leuctra sp.).

                             Birkenwanze Foto G. Bärecke                                                                             Rollflügelsteinfliege Foto G. Bärecke

 

Interessant auch das große Nest der Kleinen
Roten Waldameise, das sich weit um eine
Kiefer ausdehnt mit mehreren Hügeln, die
untereinander durch Straßen verbunden sind
und sich seit Jahren an dieser Stelle befindet.
Dort fand sich auch der mit Kiefern durch
Mykorrhiza verbundene Erdritterling.

 

 

 

 

Foto Anke Schulze

 

Die Ornithologen erfreute der Laut des Gimpels (Dompfaff) und ein Schwarm von Schwanzmeisen und Wintergoldhähnchen. Ein Schwanenpaar auf einem der Teiche führte noch ein Junges.


Eine reiche Flora galt es zu entdecken: Gehölze, Überwinterungsrosetten der Zweijährigen (Königskerze, Karde, Rainfarn, Beifuß), viele Fruchtstände der letzten Saison, Pilze, Flechten und natürlich die Schwermetallflora mit der Hallerschen Grasnelke (Armeria), der Frühlingsmiere, auch Kupferblümchen genannt, (Minuartia verna) und der Breitblättrigen Stendelwurz (Epipactis helleborine). Auch dem Winter trotzende blühende Pflanzen wurden gesichtet, neben der Grasnelke die Rundblättrige Glockenblume, die Lichtnelke, Duftveilchen, Zimbelkraut und das Schmalblättrige Greißkraut.

 

                       Grasnelke                                              Duftveilchen                                                    Zimbelkraut

Fotos Anke Schulze

Ein besonderer Fund war am Flußufer ein größerer Bestand des Glaskrauts (Parietaria), einer Pflanze der Roten Liste aus der Familie der Brennnesselgewächse.

 

Foto Anke Schulze

 

Besonders viele Flechten konnten gefunden werden, Krustenflechten und Blattflechten, darunter die Schwielenflechte Physcia, die Trompetenflechte Cladonia fimbricata und die ornithokoprophile Xanthoria sowie als Highlight die rare Kleine Endivienflechte Cladonia foliacea mit weißer Unterseite.

 

Kleine Endivienflechte

Foto A.Seilkopf

 

Viele der Teilnehmer waren, obwohl seit Jahrzehnten in Goslar ansässig, noch nie in diesem Gebiet gewesen und werden es sicher im Jahresverlauf  wiederholt besuchen, so der allgemeine Tenor.

Foto A. Daub