Exkursion am 05. August 2017

 

Wanderung um den Oderteich im Nationalpark Harz

 

 

 

Text und Fotos: Dr. Agnes-M. Daub

Um es vorweg zu sagen: Das Wetter war nur am Angang schlecht, bald konnten die Schirme zugeklappt werden.

   

Und: Beide vorgesehenen Referenten fielen aus, wurden aber hervoragend vertreten durch den Ranger Peter Hoffmann vom Nationalpark Harz.

 

Der Oderteich ist der älteste Stausee Deutschlands, gebaut 1722, und gehört seit 2010 zum Weltkulturerbe Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft als Teil des Letzteren. Die Staumauer ist mit autochthonem Material erbaut worden, weshalb die großen Granitblöcke heute nur noch auf der einen Uferseite liegen. Der See hat einen Überlauf, der mit Metallschiebern verändert werden kann. Bei dem derzeit hohen Wasserstand läuft Wasser über und fließt ins Odertal und dort in den Oderstausee.

 

Der Oderteich liegt in der Kernzone des Nationalparks. Das Wasser des Sees ist klar, aber braun gefärbt durch die Huminsäuren der umliegenden Moore. Der Bereich nahe des Staudamms ist als Liege- und Badebereich ausgewiesen. Boote sind auf dem See verboten, wobei sich die Frage stellt, ob eine Luftmatraze schon ein Boot ist. Eine Schwimmkette quer über den Teich markiert das Ende dieses Bereiches. Der größere Teil des Teiches bis hin zur Stauwurzel ist Schutzgebiet. Hier kommen u.a. Flußregenpfeifer und Flußuferläufer, Stockenten und Reiherenten, Tannenmeisen und Tannenhäher vor. Viele Hinweisschilder klären die Besucher auf und machen auch die Verbote deutlich, z.B. auch das Sammeln der Blaubeeren. Die Ranger sind oft in diesem Gebiet unterwegs und sind auch befugt, Geldstrafen zu verhängen. Aber am wichtigsten ist ihnen die Aufklärung.

 

Ein Rundwanderweg ist markiert, z.T. mit Handläufen versehen und dient der Besucherlenkung. Er führt am Westufer über das Wurzelwerk vieler Fichten und auf einem weiter vom Ufer entfernten Wanderweg zunächst bis zur Brücke über den Zufluß am Sonnenkopf. Im Winter wird hier übrigens bei ausreichender Schneelage eine Loipe gespurt. Es ist ratsam, den See bei Vereisung nicht zu betreten, weil durch den unterschiedlichen Wasserstand Hohlräume entstehen und die Eisdecke nicht tragfähig ist. Der Oderteich liegt als Teil des Nationalparks in einer Walddynamikzone. Auch bei dem überall noch sichtbaren Borkenkäferbefall wurde nicht eingegriffen (außer gelegentlich an der Grenze zum Wirtschaftswald), aber es wurde deutlich sichtbar, dass der Wald sich erholt. Zwischen den grauen abgestorbenen Stämmen kommt Fichtenbewuchs in verschiedenen Altersstufen hoch und auch Laubholz, z.B. Ebereschen. „Borkenkäfer“ ist ein Begriff für eine ganze Gruppe von Käfern, deren Larven in der Bastschicht von Bäumen heranwachsen und diese dadurch schädigen. So gibt es den Buchdrucker, der ältere Bäume angreift, und den Kupferstecher, dem junge Bäume zum Opfer fallen. Ein gesunder Baum mit einem guten Immunsystem kann den Befall durch Harzen abwehren. Besonders kritisch für den Wald werden sog. Borkenkäfernester, wenn mehrere nebeneinanderstehende Bäume befallen sind. Das stehende Totholz nutzen Höhlenbrüter wie Hohltaube, Schwarzspecht und Sperlingskauz. Man spricht von Kadaververjüngung, wenn auf altem Holz neues Leben entsteht.

 

Es kam die Frage auf, ob die Fichte harztypisch ist. Die Antwort lautet: Ja, es gibt eine echte Harzfichte, die durch den engen Winkel zwischen Stamm und Ästen gekennzeichnet ist. Diese Form verhindert eine zu hohe Schneelast, die bei den heute im Harz stehenden Fichten oft zu Kronenbruch führt. Aber das Fichtenholz wurde im Bergbau und bei der Verhüttung in großen Mengen benötigt und auch nach dem Krieg als Reparation geschlagen. Bei der Aufforstung wurden dann leider oft Flachlandsamen verwendet.

 

Im Zuge der Besucherführung werden auch Wege eingezogen, dicke Baumstämme verhindern dann das Weitergehen. Die Verkehrssicherungspflicht macht es manchmal nötig, einen Baum zu fällen. Dann wird er, wenn möglich, mit einer Seilwinde umgezogen und nicht abgesägt, um den menschlichen  Eingriff möglichst unsichtbar zu machen.

 

Der weitere Weg am Ostufer führt in weiten Teilen über Holzbohlenwege durch ein Hochmoor. Moore wurden früher trockengelegt, heute hat man ihren ökologischen Wert als Wasserspeicher erkannt und durch Vernässung wiederhergestellt. In diesem Bereich kamen auch die Botaniker auf ihre Kosten und fanden Sonnentau, Moosbeere und Pfeifengras.