Vogelstimmenwanderung im Rainbachtal

 am 14. April 2018

Der Tag ist kühl und feucht, als 33 Personen und zwei Hunde aufbrechen, am Steinberg den Vögeln zu lauschen und unter der Leitung der Ornithologen Herwig Zang und Paul Kunze ihre Stimmen zu erkennen. Es ist ein kleiner Trost, dass bei dieser Witterung die Vögel nicht so aktiv sind und daher einzelne Stimmen ertönen, die man gut einer Art zuordnen kann.

 

Es ist der 5-silbige Ruf der Ringeltaube zu hören. Sie ist dadurch unterscheidbar von der Türkentaube, die nur 3-silbig ruft. Für Turteltauben ist es noch zu früh im Jahr. Der Ruf der Ringeltaube wird die gesamte Exkursion begleiten.

 

Es ertönt der Ruf des Buchfinks. Sein wissenschaftlicher Artname Fringilla coelebs (was soviel bedeutet wie „im Kloster“) weist darauf hin, dass nur die Männchen im Winter hier bleiben und „zölibatär“ leben, während die Weibchen in wärmere südwestliche Gebiete abwandern.

 

Das Rotkehlchen ist zu hören mit seinem vorn gequetschten Ton, der nach hinten weich wird. Es wird bald verstummen und erst gegen Abend wieder zu hören sein.

 

Als nächstes macht sich mit einer Reihe abfallender leiser Töne der Fitis  bemerkbar, ein kleiner gelblicher Vogel von nur 10 g Gewicht, der z.Z. durchzieht. Sehr ähnlich der Zilpzalp, dessen tilptalp-Ruf ihm seinen Namen gab.

 

Der Gimpel ist zu hören und in der Nähe der Gärten vom Reitstallweg auch die Blaumeise.

 

Nach dem Ende der Bebauung öffnet sich eine Fläche, die eigentlich ideal wäre für die Lerche, aber ihr Bestand ist sehr stark zurückgegangen durch die moderne Landwirtschaft und die Insektenvernichtung. Die Frage nach den geeigneten Pflanzen, um Insekten im eigenen Garten anzulocken, führt zu einem Gedankenaustausch. Am besten ist es, den Garten ohne Gifte oder Düngemittel zu bewirtschaften, dann erscheinen die geeigneten Pflanzen von selber. Auch ist es wichtig, heimische Gehölze anzupflanzen und Futterpflanzen für die Larvenstadien stehen zu lassen.

 

Auf der offenen Fläche stehen Büsche, Ansitz der Goldammer, eines Vogels mit kräftigem gelben Körper, der auch im Winter hier ist. Goldammern sind Busch- und Bodenbrüter.

 

Die Gruppe hält immer wieder, genießt den Ausblick zurück über die Stadt und lauscht – Singdrossel und Amsel sind zu hören, letztere bevorzugt zum Gesang Spitzenpositionen auf Baumwipfeln oder Dachfirsten. Die Singdrossel ist etwas kleiner als die Amsel und hat eine helle getupfte Brust, sie wiederholt ihre Melodie mehrfach.

 

Der Zaunkönig ist mit 8-9 g ein sehr kleiner Vogel, hat aber eine sehr starke laute Stimme. Durch das Aufstelzen seines Schwanzes hat er eine charakteristische Silhoutte.

 

Laut und wohltönend ist auch der Gesang der Mönchsgrasmücke, die Männchen mit schwarzem Scheitel, die Weibchen mit braunem. Am Zugverhalten der Mönchsgrasmücke kann man den Klimawandel erkennen. Zog sie früher zum Überwintern in den Mittelmeerraum, so weicht sie seit einiger Zeit in das milde England aus und hat so einen kürzeren Weg.

 

Von den Spechten hört man den Grauspecht, ein Buntspecht wird gesehen. Spechte sind Vögel des Laubwaldes und Ameisenfresser. Auffallend ist ihre wellenförmige Flugbewegung. Auch der Ruf des Kleibers ist oft zu hören.

 

Ein Kernbeißer wird gesehen und eine Teilnehmerin berichtet, dass sie in diesem Jahr bis zu 8 Tiere an ihrer Fütterung gezählt hat. Die natürliche Nahrung der Kernbeißer ist vor allem die Frucht der Hainbuche. Der Laut des Kernbeißers  ist ein sehr hoher Ton, ein nur dünnes Stimmchen.

 

Hinter dem Schieferbruch, aus dem das laute „Rätschen“ des Eichelhähers ertönt, fängt das Biotop Rainbachtal an. Gerwin Bärecke von der Natur- und Umwelthilfe, die das Biotop angelegt hat, erzählt von der Entstehung, als Erlengestrüpp entfernt wurde und die verfilzten Wiesen abgetragen wurden. Eine imposante Kriechweide zieht die Blicke auf sich. Im Quellbereich sind zwei flache Teiche entstanden, die über einen Überlauf mit Wasserbausteinen verbunden sind. Hier sehen wir einen Stockenten-Erpel, dessen Partnerin möglicherweise schon irgendwo auf den Eiern sitzt, und wir erfahren, dass hier die Geburtshelferkröte und sogar der Grasfrosch heimisch sind. Auf den Wiesen blühen derzeit noch der Huflattisch und schon die Schlüsselblume und die Buschwindröschen, aber auch das gefleckte Knabenkraut und die Trollblume haben sich im Bestand durch die Maßnahmen sehr gut erholt. Im Schilf konnten schon Sumpf- und Teichrohrsänger beobachtet werden.

 

Ein Baumpieper wird gehört und dann auch bei seinem Balzflug beobachtet, wie er sich in die Höhe schraubt und dann fallen läßt.

 

Die Gruppe wandert über den Überlaufdeich und tritt den Rückweg über den Harzer Förstertieg an. Er verläuft entlang eines Fichtenwaldes, daher sind bald Tannenmeisen und andere Meisen zu hören, und auch der metallische Gesang der Heckenbraunelle ertönt. Am Ende des Weges wieder in der Nähe von Bebauung wird auch der Hausrotschwanz gesichtet und gehört.

 

Über die steile Trift geht es zum Ausgangspunkt der Exkursion.

 

 

Text und Fotos: Dr. Agnes-M. Daub