Exkursion am  16. Juni 2018, GEO-Tag der Natur
Heinisches Bruch bei Bad Harzburg

Immerhin 24 Personen, die meisten Vereinsmitglieder und ein braver Hund, eine kleine Schäferhund-Mischlingshündin, fanden sich an einem angenehm frischen Morgen auf dem Parkplatz am Wolfsstein am Ortsausgang Bad Harzburgs Richtung Eckertal ein.  Manche freuten sich über ein Wiedersehen nach längerer Zeit.  Zum 10. Mal an einem GEO-Tag der Natur ging es zum Artenbestimmen auf eine Wanderung, die etwa 3 Stunden dauern würde und von Dr. Martin Bollmeier geführt wurde. Von ihm erfuhren wir gleich zu Anfang, dass die bisherigen GEO-Tag-Exkursionen insgesamt 749 verschiedene Arten ergeben hätten, wobei mit 327 Arten das beste Ergebnis bei Ostharingen im vergangenen Jahr erzielt wurde und mit 222 das schlechteste bei der Exkursion im Okertal 2016. Diese Exkursion hatte allerdings wegen eines drohenden Gewitters vorzeitig abgebrochen werden müssen.
Ein heller leicht abschüssiger Waldweg führte uns gleich hinter dem Parkplatz Richtung Westerode. Die erste Sichtung betraf einen Maulwurf, der im selben Moment diesen Weg querte. Mit dem Pflanzenbestimmen hatten einige Botanik-Begeisterte schon unmittelbar nach dem Aussteigen auf dem Parkplatz angefangen und es ging auf Schritt und Tritt weiter. Hätte Dr. Bollmeier nicht am Vortag schon vorgearbeitet und eine Liste vorbereitet gehabt, hätten wir für die ersten 100 Meter mindestens eine Stunde gebraucht. So kamen wir etwas schneller voran, weil die Liste durch die gefundenen Pflanzenarten nur noch ergänzt werden musste.
Neben vielen alten Bekannten, die wir eigentlich bei fast allen Sommerexkursionen wieder antreffen, konnten auch einige seltenere Arten entdeckt werden, z.B. der Giftlattich (Lactuca virosa), dessen graugrüne Blattspreiten waagerecht gestellt, ungeteilt und stachelspitzig gezähnt sind. Seine Blütenknospen hatte er noch nicht geöffnet.  Aus dem Schatten des etwas höheren Mischwaldes leuchteten uns hier und da die kräftig roten Beerentrauben des Roten Holunders (Sambuccus racemosa) entgegen, schon Mitte Juni also, während der schwarze Holunder (Sambuccus nigra) z. T. noch seine weißen Blütendolden trug. Und natürlich begleiteten uns Brombeeren, in diesem Jahr besonders üppig rosa, hellviolett oder weiß blühend. Wie wir erfuhren, gibt es mehr als 200 verschiedene Brombeerarten, ein Fall für Spezialisten.
Neben häufiger vorkommenden Schmetterlingen oder deren Raupen dann noch etwas ganz Besonderes: Auf dem Stengel einer Braunwurz (Scrophularia nodosa) eine lebhaft gefärbte Raupe des sehr seltenen Braunwurzmönchs (Cucullia scrophulariae).
Und auch ein Blauer Eichenzipfelfalter (Quercusia bzw. Favonius quercus) wurde entdeckt, der in Niedersachsen auf der roten Liste in der Vorwarnstufe steht. Diese Art ist schwer zu beobachten, weil sie in der Regel in Wipfelhöhe fliegt, wo sie sich von den Ausscheidungen von Blattläusen ernährt.

Während unsere Libellen-Spezialisten U. und W. Specht sich kurz absentierten, um ein naheliegendes ihnen bekanntes Gewässer aufzusuchen, stieg die Sonne höher so wie auch die Temperaturen, die lockere Wolkendecke bekam immer größere Lücken und vor dem blauen Himmel schraubte sich ein Greif immer höher, der zunächst für einen Mäusebussard gehalten wurde, sich dann aber bei genauerer Betrachtung als Wespenbussard (Pernis apivorus) erwies.
Etwa nach zwei Stunden ließen wir das Heinische Bruch hinter uns und betraten auf der Nordseite des Butterberges einen Halbtrockenrasen, aus dem zahlreiche Heidenelken (Dianthus deltoides) purpurrot hervorleuchteten. Von hier aus hatte man einen schönen Blick über die noch weitgehend intakte abwechslungsreiche Westeröder Feldmark mit breiten Ackerrainen, kleinen Feldgehölzen und Hecken auf den Harly, einen Höhenzug bei Vienenburg, der sich dunkelgrün hinter 16 hohen weißen Windrädern erstreckt, die vollkommen still standen, da sich kaum ein Lüftchen regte.
Auf einem Feldweg zwischen Wiese und Wald, wo uns ein wunderbar würziger Duft nach Sommer umfing, an dem übrigens, wie wir feststellen konnten, die nach Honig riechenden Blüten der Ackerkratzdistel (Cirsium arvense) einen großen Anteil haben, ging es zurück zum Wolfstein.
In einer großen Pfütze oder einem kleinen Tümpel konnten wir zwei kontrastreich leuchtend grün und schwarz gezeichnete Wasserfrösche beobachten, am Rand der Wasserfläche den Wasserstern (Callitriche sp.) mit seinen winzigen hellgrünen Schwimmblättern. In einem anderen Tümpel waren auch Molche zu entdecken, von denen allerdings nicht zu erkennen war, ob es sich um Berg- oder Fadenmolche handelte.
Zum Abschluß konnte Dr. Bollmeier die Zahl von ca. 220 bis 230 Pflanzenarten als Ergebnis der Exkursion angeben. Insekten und Spinnen werden gesondert bestimmt und gezählt. Und die Ornithologen, H. Zang und P. Kunze, die mit einer Mindestanzahl von 20 Vogelarten gerechnet hatten, kamen zum Schluss sogar auf 33, worunter einige ornithologische Besonderheiten wie z.B. Schwarzkehlchen, Wespenbussard und Turteltaube zu nennen sind. Insgesamt wird damit wohl die Zahl von 800 Arten für die durch nunmehr 10 Exkursionen des Naturwissenschaftlichen Vereins abgedeckten Bereiche im Landkreis Goslar erreicht werden.

Text von Anka-K. Plawitzki
Fotos von Dr. Agnes-M. Daub (6) und Volker Edelmann (4)

Nachtrag zur Artenerfassung am GEO-Tag der Natur
(Wanderung durchs Heinische Bruch am 16.6.2018)

Die Artenerfassung wird vom NWV Goslar seit 2009 jährlich am GEO-Tag der Natur an unterschiedlichen Orten im Landkreis durchgeführt, hatte also in diesem Jahr sozusagen ihr 10jähriges Jubiläum.

Die Erfassung 2018 hat wie auch im letzten Jahr 327 Arten ergeben.

Davon sind 233 höhere Pflanzen und 4 Moose. Es wurden 1 Säugetier, 35 Vögel und 2 Amphibien gesichtet. Schmetterlinge waren mit 11 Tagfaltern und 5 Nachtfaltern vertreten, des weiteren eine Libellenart, 6 Heuschrecken, 3 Bienen bzw. Wespen, 3 Spinnen, 7 Käfer, 4 Wanzen und weitere 12 Arten, deren Kategorie nicht einzeln gelistet wird.
Pilze, Flechten, Schnecken und Ameisen wurden dieses Mal gar nicht aufgenommen, vielleicht fehlten die Experten.

Bei den Pflanzen waren 12 Neufunde im Vergleich der Daten aller 10 Jahre. 2 Arten wurden erstmals wiedergefunden, darunter der auf der roten Liste als gefährdet eingestufte Gift-Lattich. Auffällig viele Neufunde tragen den Namensteil Sumpf- bzw. Moor-, passend zum Standort eines Bruchs.
Bei den Moosen gibt es 1 Neufund, das Kaktus-Moos. 2 der 7 Käferarten sind Neufunde, der Fallkäfer und der Blaugrüne Schenkelkäfer.
Die Ornithologen fanden erstmals den Wespenbussard, die Turteltaube und den Gimpel.
4 neue Tagfalter und 4 neue Nachtfalter konnten eingetragen werden. Bei den Nachtfaltern waren 2 davon Arten der roten Liste, das Hornklee-Widderchen (1 = vom Aussterben bedroht) und der grüne Eichenwaldspanner (V = Vorwarnstufe). Der Braunwurzmönch wurde als Raupe gefunden.
Für die Libellen neu ist die Braune Mosaikjungfer, bei den Spinnen neu sind die Kürbisspinne und die Sumpf-Kreuzspinne (rote Liste 3 = gefährdet).

In der Summe der 10 Jahre ist die erfreuliche Zahl von 808 Arten erreicht worden.

Für besonders Interessierte gibt es die Datei über alle Arten der 10 Jahre, dankenswerterweise zusammengestellt von Dr. Martin Bollmeier, als Download.

(Text: Dr. Agnes-M. Daub)

Bearbeitung der Exceltabelle: Dr. Martin Bollmeier

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Die Exeltabelle wird jährlich fortgeführt.
geo tag der artenvielfalt.xlsx
Microsoft Excel Tabelle 96.6 KB