Kartierungsexkursion zum GEO-Tag der Artenvielfalt am 15. Juni 2019

 

 

An diesem herrlich warmen Sommertag waren bis 9.30 Uhr am Treffpunkt auf dem Parkplatz hinter dem Kloster Wöltingerode an der Landstraße vor dem alten Forsthaus 13 Personen zusammengekommen, alles Vereinsmitglieder. Zum GEO-Tag der Artenvielfalt sollte die diesjährige Bestimmungsexkursion unter Leitung von Dr. Martin Bollmeier stattfinden, wobei alljährlich möglichst alle Tier- und Pflanzenarten eines Areals vollständig erfasst werden.

 

Wie wir erfuhren, handelt es sich bei unserem Ausgangsplatz um einen früheren Bahnknotenpunkt, wo sich ehemals die Bahnlinie von Langelsheim nach Vienenburg und die Strecke der Kalitransporte aus den Schachtanlagen am Harly nach Goslar trafen. Das alte Herzogtum Braunschweig verfügte außerdem über eine der ältesten deutschen Bahnstrecken überhaupt, nämlich die von Braunschweig über den noch erhaltenen Bahnhof Vienenburg nach Bad Harzburg. Der steile Abschnitt vor dem Harz konnte im 19. Jahrhundert von den Lokomotiven allein nicht bewältigt werden. Man musste Pferde vorspannen, die man auf der Rückfahrt bergab einfach auf einen der Wagen lud und die Bremsen löste.

 

Die ersten Beobachtungen, die wir machen konnten, bezogen sich auf Pflanzen, die ihren Ausgang wohl von Haufen von Gartenabfälle genommen hatten, die man in Parkplatznähe offenbar gern in der Natur entsorgt. So überwucherte z.B. ein weißblühender Knöterich ein Bäumchen, das schon vollends darunter verschwand. Auch die immer häufiger massenhaft auftretende taube Trespe stammt wohl aus Garten oder Landwirtschaft.

 

Unser Weg auf der ehemaligen Bahntrasse in Richtung Immenrode führte zunächst etwa parallel zur Straße zwischen üppig grünen Hecken aus Schlehen, Holunder, Hartriegel, Pfaffenhütchen, Feldahorn, Vogelkirschen, Weiden, entlang. Nicht weit vom Parkplatz war uns schon ein nicht mehr junger großer Mehlbeerbaum aufgefallen. Die Vögel empfingen uns mit vielstimmigem Gesang, als wir losgingen. Nach wenigen Schritten erfreute uns die Nachtigall, deren Gesang wir uns schweigend einen Moment lang anhörten. Der blaue Himmel war nur von einem ganz dünnen Schleier bedeckt, es ging kaum ein Lüftchen.

 

An den Wegrändern bunte Blütenpracht: Das herrliche Blau der dort dicht an dicht wachsenden Kerzen des Natternkopfs, durchsetzt mit rotem Mohn, gelben Mäulchen des gemeinen Leinkrauts, weißem duftenden Labkraut, weißem Klee und Leimkraut, den kleinen rosavioletten Blüten verschiedener Storchschnabelarten (kleiner- , weicher- und der kräftigere Pyrenäenstorchschnabel), direkt am Wegrand die ebenmäßig fünfblättrigen leuchtend gelben Blüten des kriechenden Fingerkrauts. Große dunkelgrüne gefiederte in Rosettenform angeordnete Blätter erwiesen sich als die Grundblätter des Pastinaks, dessen gelbe Doldenblüten noch bis zum Hochsommer auf sich warten lassen. Auch die unvermeidlichen Brombeeren fehlten nicht. Einige ihrer schönen rosa Blüten wurden von einer Honigbiene besucht, andere von einer großen Steinhummel. Eine Hornisse verschwand am Grund der dichten Krautschicht. Auf Dolden des knotigen und des behaarten Kälberkropfs krabbelten Streifenwanzen.Ein kleiner intensiv blaugrünglänzender Scheinbockkäfer und einige Spinnen waren schnell verschwunden. Schmetterlinge, ausschließlich Diestelfalter, waren sehr selten unterwegs.

Bald führte die alte Bahnstrecke, zu erkennen am typischen groben Schotter des einstigen Schienenbetts, in einem paradiesisch grünen Hügeleinschnitt weiter, die hohen Hänge rechts und links bewachsen mit Holunder, dessen Schirmchenblüten in allen Abstufungen von hellgrün bis weiß ihren typischen Sommergeruch verströmten und anderen oben schon genannten Sträuchern. Dazwischen Ranken von Geißblatt und Waldrebe, in der Krautschicht Nelkenwurz, große Blätter noch nicht näher zu bestimmender Kletten, Springkraut und stellenweise dichte Schwaden von Kletten-Labkraut. Von oben wurde alles beschattet von prachtvollen riesigen Eschen, Eichen und Rotbuchen und von alten Hainbuchen. Wir durchquerten ein kleines Gehölz und merkten kaum, dass die Sonne und mit ihr die Temperaturen immer höher stiegen. Einige Pilze, meist kleinere blasse Lamellenpilze, standen dort am Wegesrand.

 

Auf der anderen Seite erreichten wir die Wedde, einen hier besonnten Bach an der Landstraße, wo es auf den gelben Hinweisschildern an der Kreuzung heißt: „Weddingen 2 km“ bzw. „Immenrode 2 km“. Sehr malerisch der Blick auf den mittelalterlichen Kirchturm Immenrodes zwischen großen Baumkronen. In der Wedde blühte der Wasserhahnenfuß, an ihrem Ufer schwirrte eine große Libelle auf und ab, die zweigestreifte Quelljungfer, sowie die zartere gebänderte Prachtlibelle, ein Weibchen. Wir überquerten die Wedde und die Straße und konnten dort ein Prachtexemplar einer weiteren Libellenart, eines männlichen Plattbauchs sehen, dessen hellblauer Hinterleib in der Sonne leuchtete. Ebenfalls dort wurden am Straßenrand der Saftkugler, rote Samtmilben und verschiedene Ameisen gesichtet, die aber von Dr. Bollmeier zu Hause bestimmt werden müssen, und dann in die Liste der Arten aller heute gefundenen Tier- und Pflanzenarten aufgenommen werden. Die Liste wird nach Fertigstellung diesem Bericht hinzugefügt.

 

Auf dem Weg zwischen Weddebach und einem Kohlfeld näherten wir uns einem südwestlichen Zipfel des Harly. Am Wegesrand fielen immer wieder schöne Karden auf, die allerdings noch nicht blühten, die schlitzblättrige bzw. die wilde Karde. Vor dem Harly bogen wir auf den Randweg ab, der streckenweise mit weißem Kalkschotter befestigt ist, und fanden hier ein kleines Gebiet mit einer richtigen Trockenrasenvegetation, die uns wieder andere Tier- und Pflanzenarten bescherte, wovon nur einige genannt seien wie die Skabiosen-Flockenblume, die sonnenwendige Wolfsmilch, das echte Labkraut, das Sonnenröschen, dessen Blüten auf den ersten Blick mit denen des Fingerkrauts zu verwechseln sind und den ganzen Hang gelb erscheinen ließen, den gelben Wau (Reseda), den Odermennig, den Ackergauchheil, Thymian und als Rote-Liste-Arten die Knack-Erdbeere und mit vielen Exemplaren auf dem Mittelstreifen des Kalkschotterweges das Eisenkraut mit seinen zarten rosa Blütenrispen. Alles zusammen mit verschiedenen Spinnen und einem Ameisen-Sackkäfer eine einzige Freude.

 

Weitere Pflanzen- und Tierarten kamen dann noch dazu, als der Weg an einer kleinen Ödfläche mit typischen Ackerkräutern entlang führte. Und gegen Ende der Wanderung konnten wir noch eine schöne große Ulme bewundern, die anhand ihrer Samen ziemlich sicher als Feldulme bestimmt werden konnte.

 

Als die Sonne immer stechender und die Luft immer drückender wurde und es so aussah, als würde das für heute angekündigte Gewitter aufziehen, waren wir am Parkplatz hinter dem Kloster zurück, und Dr. Martin Bollmeier konnte um 12.35 Uhr die Exkursion beenden, nachdem er mitgeteilt hatte, dass auch diesmal wieder etwa 300 Arten nachgewiesen werden konnten, darunter nur vier verschiedene Tagfalter in auffallend wenigen Exemplaren.

 Gestreifte Blattwanzen Foto: Willi Grope

 Feenlämpchen - Spinnenkokon   Foto: Gerwin Bärecke

 Großer Distelrüssler   Foto: Gerwin Bärecke

Lederwanzen  Foto: Gerwin Bärecke

Zipfelkäfer  Foto: Gerwin Bärecke

Distelfalter  Foto: Volker Edelmann

Großer Blaupfeil ♀  Foto: Volker Edelmann

                                                    Weibchen der Gemeinen Becherjungfer   Foto: Volker Edelmann

                                                               Beerenwanze  Foto: Volker Edelmann

 Text: Anka K. Plawitzki

 Fotos: Willi Grope, Gerwin Bärecke und Volker Edelmann.