Gehölzwanderung

um die Fischerköpfe bei Hahndorf

am 11. November 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter der Leitung von Dr. Martin Bollmeier wanderte eine kleine Gruppe wetterfester Vereinsmitglieder mit zwei Gästen zweieinhalb Stunden entlang der Fischerköpfe bei Hahndorf und lernte, Bäume an ihren Knospen, ihrer Wuchsform und ihrer Rindenstruktur zu erkennen.

 

Zunächst wurde überlegt, warum das Laub überhaupt im Herbst seine Farbe ändert und schließlich vom Baum fällt. Über die Blätter transpiriert der Baum und würde bei Frost vertrocknen, wenn der Saftstrom ausbleibt, also entledigt er sich des Laubs vor dem Winter. Die Blattfarbe grün entsteht durch Chlorophyll, das Atmungsmolekül der Pflanzen. Da es ein kompliziert um das Atom Magnesium gebautes Molekül ist, wird es im Herbst zerteilt und resorbiert, so dass es im nächsten Jahr wieder auf- und eingebaut werden kann. Die Blätter erscheinen dann in den Herbstfarben gelb oder rot, die von Pflanzenfarbstoffe wie Carotinoiden und Xanthophyllen herrühren.

 

Wie aber erkennt man Bäume, wenn das Laub fehlt? An der Wuchsform, an der Farbe und Form von Rinde und Knospen – und diese Details wahrzunehmen  wurde auf dieser Wanderung geübt.

 

Die Bergulme hat wechselständige Knospen. Diese hatte noch Blätter, die ganzrandig sind mit kleinen Spitzen im vorderen Bereich. Von der Feldulme und der Flatterulme ist sie durch die Form ihrer Samenstände zu unterscheiden. Ulmen sind durch das Ulmensterben selten geworden.

 

Ein für den Kalkboden der Fischerköpfe typischer Baum ist die Elsbeere, die vor etwa 30 Jahren ein Modebaum war und für die Möbelindustrie weitgehend abgeholzt wurde. Ihr Holz hat viermal höhere Preise erzielt als das der Eiche. Im Wald steht eine eindrucksvolle ca. 250-jährige Elsbeere. Die Elsbeere Sorbus torminalis ist verwandt mit der Vogelbeere Sorbus aucuparia und dem Speierling Sorbus domesticus. Letzterer wächst wild noch im Huy.

 

Schwarzkiefer und Rotkiefer tragen als Nadelbäume ihr Laub, die Nadeln, auch im Winter. Ihre Namen verdeutlichen die unterschiedliche Färbung der Rinde. Sie sind in diesem Wald angepflanzt. Eine Kiefer hatte im oberen Stammbereich eine rötliche schuppende Rinde, die sog. Spiegelrinde. Die Ornithologen konnten beitragen, dass der Kleiber genau aus dieser Rinde das Nest in seiner Wohnhöhle baut. Und auf diese Weise ist es im Gegensatz zu Nestern aus Moos für den gefürchteten Nesträuber Waschbär im wahrsten Sinne des Wortes nicht greifbar! 

Es stehen in diesem Wald auch einige Lärchen, laubabwerfende Nadelbäume, eigentlich Hochgebirgspflanzen, und Eiben.

 

Typisch ist aber die Rotbuche, die eine glatte graue Rinde aufweist. Der Name weist auf die rötliche Farbe des Holzes hin. Ihre Früchte, die Bucheckern, sind in diesem Jahr kaum zu finden, nachdem 2016 ein echtes Mastjahr gewesen ist. Ein eindrucksvoller stehender Altholzstamm zog die Blicke auf sich. Löcher und Fraßspuren von Käferlarven und Spechten waren offensichtlich, aber ca.100 Tier- und Pilzarten können an so einem Stamm leben. Somit ist Altholz ein wichtiger Teil der ökologischen Kette. Die weißholzige Hainbuche hat eine silbergestreifte Rinde und als auffälliges Merkmal einen nicht kreisrunden, sondern mit Einbuchtungen versehenen Stammumfang.

 

Für die drei Ahornarten konnten deutliche Unterscheidungsmerkmale festgestellt werden. Alle Ahorne haben gegenständige Knospen, aber nur beim Spitzahorn sind sie rötlich-lila gefärbt, bei den beiden anderen Arten grün. Der Feldahorn ist eher klein in Blattgröße und Wuchs, gehört damit zum Unterbau des Waldes. Er kann zur Hecke geschnitten werden. Seine Rinde ist dünn senkrecht gerippt. Der Spitzahorn ist größer und hat eine ähnliche Rinde. Der Bergahorn dagegen hat eine abschuppende Rinde und großflächige Blätter. Wegen dieser Rinde trägt er den botanischen Namen Acer pseudoplantoides.

Die geflügelten Doppel-Samen der Ahorne stehen in unterschiedlichem Winkel zueinander, beim Bergahorn fast rechtwinklig, beim Spitzahorn leicht angewinkelt und beim Feldahorn fast eben. Die gelbe Herbstfärbung des Spitzahorns im Sonnenlicht ist goldfarben. Es ist auch ein beliebter Alleebaum.

 

            Wann entstehen eigentlich die Knospen? Schon im Vorjahr! In jeder Blattachsel ist eine Knospe, die im Fall des Blattverlustes, z.B. durch Raupenbefall, auswachsen kann.

 

Eschen haben schwarzgefärbte gegenständige Knospen und eine glatte Rinde.

Die Vogelkirsche hat eine geringelte Rinde. Ihre weißen Blüten erscheinen im frühen Frühjahr, ihre Früchte sind vitaminreich und lecker. Sie ist die Wildform der fruchtfleischreichen Süßkirsche.

Die Eiche ist immer ein wegen seines Holzes angepflanzter Baum. Aus den hohen festen Stämmen wurden die Balken für Fachwerkhäuser.

 

 

An Gehölzen wurden Hasel und Pfaffenhütchen, der weiße Hartriegel, rote Heckenkirsche, Hundsrose (Hagebutten) und der schwarze Holunder gefunden. Letzterer hat einen markhaltigen Stengel. Pfaffenhütchen und auch der Spitzahorn bilden Flügelrippen auf ihrer Rinde aus.

 

Auch blühende krautige Pflanzen konnten noch entdeckt werden wie Klee, nesselblättrige Glockenblume, Storchenschnabel und Taubnessel.

 

Beim Abschied am Parkplatz fiel der Blick noch auf eine Salweide Salix caprea, aus deren glatter Rinde der Wirkstoff Salizylsäure gewonnen werden kann, ein schmerz- und fieberlinderndes Mittel.

 

Text und Fotos:  Dr. Agnes-M. Daub