Exkursion am 11. 8. 2018 auf den

 

Bergwiesen bei Sankt Andreasberg

Nach der brütenden Hitze der vergangenen Wochen brachen wir bei frischen Temperaturen und einer steifen Brise unter Leitung von Dr. Florenz Sasse zur  Exkursion über die Bergwiesen bei Sankt Andreasberg auf.
Das Naturschutzgebiet „Bergwiesen bei Sankt Andreasberg“ umfasst etwa 217 ha. Es umfasst die Bergstadt im Osten halbkreisförmig. Im Süden und Westen liegen die Gebiete Glockenberg und Sieberberg. Es ist der größte Bergwiesenkomplex im niedersächsischen Harz mit Borstgrasrasen, Quellsümpfen und Hochstaudenfluren.
Der Referent gab eine umfassende Einführung in die Problematik und Geschichte der Bergwiesen. Sie stehen zwar unter Naturschutz, sind aber keineswegs natürlich, sondern Folge menschlicher Einflußnahme. Von den drei im Harz vorkommenden Bewuchsvorkommen Wald, Wiese, Moor ist nämlich nur das Moor weitgehend natürlich. Der typische Fichtenwald ist gepflanzt, und auch die Wiesen sind Folgen menschlichen Eingriffs.
Die Bergwiesen entstanden, als die Bergleute im 16. Jahrhundert das Recht auf Viehwirtschaft bekamen. Im Sommer trieb man die Tiere, das genügsame rote Höhenvieh und die Ziegen, in die Wälder zur Nahrungssuche. Für die Winterfütterung wurden die Bergwiesen, gerodete ehemalige Wälder, einmal jährlich gemäht.Eventuell durfte das Vieh danach noch eine Zeit weiden,  aber im Prinzip wurden die Wiesen nur abgemäht, und genau das wird noch heute so von ausgewählten Bauern im Auftrag der Naturschutzbehörde gemacht, um die Bergwiesen zu erhalten. Dabei wird die Fläche stückweise mosaikartig gemäht, in einigen Bereichen darf auch gedüngt werden. Es gibt durchaus touristische, somit auch wirtschaftliche Gründe für den Schutz der Bergwiesen. Es ist also eigentlich ein Kulturgut, das geschützt wird, und zwar eine Wiese und keine Weide.
Naturschutz besteht seit 1992. Das Naturschutzgebiet entspricht dem gleichnamigen FFH-Gebiet und gehört zum europäischen Naturschutzgebiet Natura 2000.

Im wesentlichen sind es zwei Wiesentypen, die in diesem Naturschutzgebiet vorkommen – der Borstgrasrasen als Kantenhartheu-Kreuzblümchenrasen und die Waldstorchschnabel-Goldhaferwiese. Beide sind Pflanzen­gesellschaften mit typischen Begleitpflanzen. Übrigens gibt es auch für Pflanzengesellschaften wie für die einzelnen Pflanzen eine rote Liste.

Wegen des späten Termins und die monatelange Trockenheit waren schon viele Pflanzen verblüht, aber auch so gab es noch vieles zu entdecken. Fast alle Charakterarten konnten wir, wenn auch meist verblüht, finden.

Auf den  Goldhaferwiesen entdeckten wir den Waldstorchschnabel (Geranium sylvaticum), Kanten-Hartheu bzw. Gefleckte  Johanniskraut (Hypericum maculatum), Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum), Berg-Rispengras (Poa chaixii), Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) und auch den Schlangenknöterich (Bistorta officinalis).

Der auf mageren Standorten vorkommende Borstgras-Rasen war geprägt von Kanten-Hartheu (Hypericum maculatum), Bärwurz (Meum athamanticum), Berg-Platterbse (Lathyrus linifolius), Harz-Labkraut (Galium harcynicum) und Gewöhnlichem Kreuzblümchen (Polygala vulgaris).

Vor allem auf dem Rückweg fielen neben Goldrute (Solidago virgaurea) und Wald-Wachtelweizen (Melampyrum sylvaticum) zahlreiche Maiglöckchen (Convallaria majalis) und ein großer Bestand der Quirlblättrigen Weißwurz (Polygonatumverticillatum), auch Salomonssiegel genannt, auf.

Einige Pflanzen sind auch durch ihre Wirkstoffe interessant. Der Beifuß enthält ein Nervengift und das Johanniskraut einen Wirkstoff gegen Depressionen. Der Bärwurz enthält einen Stoff, der abtreibende Wirkung hat, und früher von Hebammen zur Einleitung der Geburt gegeben wurde. Sein Name hat also nichts mit dem Tier Bär zu tun, sondern mit dem Ge-bären.

Auch die Ausblicke auf die Bergstadt und über die Bergwiesen, auf Brocken und Wurmberg, waren  atemberaubend.

Ein erneuter Besuch im nächsten Jahr, eventuell im Juni, ist auf jeden Fall empfehlenswert.


Test und Fotos: Anke Schulze und Dr. Agnes-M. Daub (genehmigt)