Exkursion „Bäume erkennen im Herbst“ am 10.11.2018

 

Insgesamt 20 Personen trafen sich an der Friedhofskapelle Feldstraße im Schatten großer Hainbuchen zu dieser Exkursion, auf der unter Leitung von Dr. Agnes-M. Daub und Anke Schulze gelernt werden sollte, wie man auch nach dem Blattverlust Bäume identifizieren kann.

 

Den Teilnehmern wurden zuerst die Methoden dafür dargestellt.

Ein wichtiges Merkmal ist die Rinde, die sehr unterschiedlich und z.B. im Fall von Birke und Platane unverkennbar ist.

 

        Platane                                         Gleditschie                                    Bergahorn

 

Als nächstes kann man die vielfältigen Fruchtformen zur Unterscheidung nutzen. Aus einer Art Setzkasten wurden die verschiedenen Samenstände gezeigt und besprochen.

 

Desweiteren sind Blattnarben,
die Abwurfstellen der Blätter auf den Zweigen,
und die darin enthaltenen Narben der Leitbündel,
die sogenannte Blattspur, ein eindeutiges Merkmal.

 

 

 

 

 

 

 

Blattnarbe der Roßkastanie

 

 

Am wichtigsten aber sind die Knospen
für die Triebe und Blüten der nächsten Saison,
die Aufschluß über die Gattung, manchmal
sogar die Art, geben.   


 

 

 

 

 

Foto: Knospe und Blattnarbe des Spitzahorn

Bücher, die Abbildungen dieser Knospen zeigen, wurden vorgestellt.

 

Allein durch den Stand der Knospen am Zweig kann man die Bäume in zwei Gruppen unterteilen. Bei einem Drittel aller Bäume stehen die Knospen gegenständig, das heißt, an einer Stelle stehen sich zwei Knospen gegenüber, und an der Stelle darüber ist dieses Knospenpaar um 90 Grad versetzt und so weiter über die ganze Länge des Zweigs.
Die übrigen Bäume haben wechselständige Knospen, das heißt, auf jede der hier einzelnen Knospen folgt die nächste am Zweig in einem bestimmten Winkel zur ersten. Ihre gedachte Verbindungslinie zieht sich spiralig um den Trieb. Beide Blattstellungstypen führen für die Pflanze zu optimaler Lichtausbeute.

Direkt am Parkplatz stand eine Platane, die an ihrer Borke leicht zu erkennen war. Der nächste große Baum ein Bergahorn, der an seiner mehr oder weniger quadratisch abplatzenden Rinde und an der Form der Samen erkennbar war. Darunter Forsythie und Flieder, beide mit gegenständiger Blattanordnung.

 

Hinter dem Friedhofseingang dann ein größerer Platz,
auf dem Radspiere und Pfaffenhütchen (Foto)
an ihren Früchten leicht erkennbar waren.

Am Beispiel der Weidenblättrigen Birne wurde erklärt, dass eine Birne an den ausgebreiteten Kelchblättern der ehemaligen Blüte erkannt werden kann.

 

 

 

 

 

An einer freistehenden stattlichen Hainbuche erklärte der ehemalige Förster Willi Grope, dass neben der taubengrauen Längsstreifung der Rinde besonders auch die Spannrückig-keit ein eindeutiges Merkmal ist.

Zwei Schmetterlingsblütler mit unterschiedlichen Hülsen als Früchte stehen dort: die Hülsen des Goldregens öffnen sich schon am Baum und zeigen die schwarzen Samen, wohingegen die etwas größeren Hülsen der Robine geschlossen am Baum hängen.

Dort steht auch eine Sommerlinde, die an den Rippen auf der Samenkugel ihrer Frucht erkennbar ist. Ein paar Schritte weiter zeigten die glatten Samenkugeln einer anderen Linde, dass es sich hierbei um eine Winterlinde handelt.

Ein gewaltiger kahler Baum ließ sich durch einen kleinen Austrieb am Fuß erkennen. Da die Knospen gegenständig angeordnet und pechschwarz waren, handelte es sich dabei eindeutig um eine Esche.

Esche und Ahorne haben gegenständige Knospen, die sich durch ihre Farbe unterscheiden. Schwarz bei der Esche, grün beim Bergahorn und rötlich beim Spitzahorn, allerdings auch beim Feldahorn, den man an seinem kleineren Wuchs, der sehr flachen Form der zwei Fruchtflügel und an Korkleisten erkennt. An vielen Stellen auf dem Friedhof stehen junge Triebe, die auf Augenhöhe nach diesen Merkmalen inspiziert und dann identifiziert werden konnten.

 

An den Früchten erkannt wurden
Kornelkirsche und Magnolie,
Zieräpfel und Baumhasel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Magnolienfrucht

 

Beim gegenständig beblätterten Holunder entscheidet im blattlosen Zustand das Mark, ob es sich um den Schwarzholunder (weißes Mark) oder den Traubenholunder (gelbliches Mark) handelt.

 

Zwei blattwerfende Nadelbäume stehen auf dem Friedhof, die heimische Lärche und der in Parks neuerdings gern angepflanzte Mammutbaum Metasequoia, ein lebendes Fossil, das durch seinen mächtigen Stamm und die Höhe auffällt und ziemlich waagerechte Seitenäste entwickelt.

Eindrucksvoll ein Schmetterlingsblütler, die Gleditschie, nach den riesigen Hülsen auch Lederhülsenbaum genannt. Der Baum auf dem Friedhof ist schon völlig entblättert, aber viele Hülsen hängen noch und machen bei Wind eine eigenartige Musik.Eindrucksvoll sind die riesigen stacheligen Auswüchse der Rinde.

 

Blattnarben wurden von Walnuss und Ginkgo angesehen. Die Blattnarbe der Walnuss ist sehr flächig, etwas herzförmig und mit deutlicher Blattspur. Der Ginkgo, der nicht auf dem Friedhof, sondern auf dem Gelände des Steinmetzbetriebs steht, hat Kurztriebe, an deren Spitze kleine ovale Blattnarben dicht gedrängt stehen, die jede genau nur zwei punktförmige Spuren zeigt.

 

Text: Dr. Agnes-M. Daub (genehmigt)
Fotos: Michael Müller, Willi Grope und Dr. Agnes-M. Daub (genehmigt)

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