Exkursion am 14. Mai 2022

 

40 Jahre Waldumbau im Revier Wolfshagen

 

Unter der Leitung des ehemaliger Revierförsters Willi Grope und seines Nachfolgers Revierförster Rainer Hoffmeister, wanderten wir ab Hundeplatz eine 4 km lange Runde Richtung Granetalsperre und zurück.

 

Dabei wurden verschiedene Waldbilder besichtigt:

 

Waldbild 1: Typisches Waldbild für die Walderneuerung in den Landesforsten seit 1982: Umwandlung älterer Fichtenbestände in Mischwald, unterbaut (gepflanzt) mit Buchen auf 40 m Breite. Zur Bewirtschaftung sind 20 m breite Streifen freigelassen als Fäll- und Rückebetrieb bei der späteren Entnahme der Fichten durch Harvester.  Es kamen Fragen auf wegen der Bodenverdichtung durch die schweren Maschinen, wegen der Schäden an der Bodenvegetation, aber auch wegen der besonderen klimatischen Herausforderungen, denn seit 2017 ist es zu warm und zu trocken. Herr Hoffmeister erklärt, wie die Forstleute vorgehen, um einen gesunden Wald zu erhalten, indem zum Beispiel die Bodenbeschaffenheiten durch Bohrungen ermittelt werden und danach eine Bepflanzung empfohlen werden kann. Die Bezeichnung „Mischwald“, den man anstrebt, ist nicht so zu verstehen, dass auf der Fläche die Baumarten wild durcheinander stehen. Es wird parzellenweise Monokultur angelegt, in der Gesamtfläche des Reviers ergibt sich dann ein Mischwald. War es früher neben der Fichte, die für die Bergwerksindustrie benötigt wurde, nur ein Zwölftel Laubwald, so sind heute mindestens zwölf verschiedene Waldtypen vorhanden.

 

Waldbild 2: Am Grenzweg stand vor 20 Jahren ein geschlossener Fichten-Altbestand. Danach wurde er mit Buchen und Douglasien unterbaut, die Fichten vorzeitig durch Windwurf und Borkenkäferbefall geräumt. Heute steht dort ein 10 m hoher Mischbestand aus Buchen und Douglasien mit wenigen Lärchen, Eichen, Birken und Salweiden. Hier erklärte uns Willi Grope die Wichtigkeit von Waldrändern, wie sie unter seiner Anleitung um 2008 von der Jugendgruppe Waldwölfe und Waldfüchse des Harzklubs Wolfshagen gepflanzt wurden. Spitzahorn, Wildkirschen und Wildapfel stehen als Solitärbäume in 10 m Abstand, dazwischen Hartriegel, Weißdorn und Hasel als Strauchzone. Diese ca. 10 bis 20 m breiten Waldränder sind ökologisch wertvoll. Als Solitärbäume werden bevorzugt Eichen, Wildobst, Ahornarten und Ebereschen gepflanzt, als Sträucher heimische blüten- und fruchtreiche Arten, wie Hasel, Weiß- und Schwarzdorn, Hartriegel, gemeiner Schneeball und Kreuzdorn. Von Natur aus siedeln sich hier im Harz Schwarzer und Roter Holunder und Faulbaum an.

 

Waldbild 3: Auf einer Kalamitätsfläche von Fichte durch Borkenkäferbefall ist in den letzten 3 Jahren starker Krautbewuchs insbesondere der Brombeere entstanden, der ein Bepflanzen unmöglich machte. Diese Flächen wurden mit einer speziellen Maschinenraupe geräumt, der Bewuchs auf Wälle getragen und die Flächen mit Roteichen bepflanzt. Zum großen Frust der Forstleute wurden fast alle Pflanzen innerhalb von 4 Wochen von Schwarzwild herausgezogen und die Wurzelansätze abgebissen. Schwarzwild gilt im Allgemeinen im Gegensatz zu Schalenwild als nicht verbeißend, warum es hier dazu kam, ist unklar, eventuell durch zu viel Stickstoffeintrag in der Baumschule. Diese Flächen wurden anschließend mit Douglasien- und Lärchensamen besät.

 

An einer anderen Stelle wurde ein Hektar mit der Eßkastanien bepflanzt, und diese sind unter der „Patenschaft“ von Willi Grope mit täglicher Kontrolle gut angegangen.

 

Ein herrlich grünes Nadelholzwaldstück ist derzeit ein seltener Anblick. Wir bekamen es zu sehen, weil im Revier Wolfshagen schon vor Jahren die Douglasie angepflanzt wurde. Auch bei diesem amerikanischen Nadelbaum aus dem Gebiet der Rocky Mountains gibt es einiges zu beachten, z.B. auf welcher Höhenstufe der Mutterbaum gestanden hat, damit er zum Harzer Klima passt. Besonders hilfreich ist die Eigenschaft der Douglasie, nach einigen Jahren eine zweite Wurzeletage aufzubauen, was ihr eine besondere Sturmbeständigkeit gibt. Sie ist ähnlich schnell wachsend wie die Fichte.

 

Waldbild 4: Ein junger Eichenbestand mit Elsbeere wurde uns vorgestellt, der im Gatter aufgewachsen ist zum Schutz gegen Wildverbiss. Er wird als forstlich wertvoller Bestand eingeordnet.

 

Waldbild 5: Oberhalb der Grane kamen wir zu weiträumigen Umwandlungsflächen von Fichte in Mischwald. In den letzten 20 Jahren wurden die monotonen Fichtenbestände der Kohlwege mit Buchen und Douglasien unterpflanzt. Von Natur fanden sich Eichen, Lärchen und einige Wildkirschen ein. Sturm Frederike hat den Fichtenaltbestand umgeworfen, und die Fläche musste daher vorzeitig und planlos geräumt werden. Übrig blieb ein junger Mischwald, etwa 4 m hoch, auf etwa dreiviertel der Fläche. Der Rest, die Schadensflächen, bilden zunächst ökologische Nischen, werden aber in den nächsten 30 Jahren auch von Natur bewaldet.

 

Waldbild 6: Im Varleytal steht ein Dauerwald mit ca. 120-jährigen Buchen, Bergahorn, Eschen und Lärchen, der sich von Natur verjüngt hat. So sollen und werden unsere Wälder der Zukunft aussehen.

 

 

Ein gelungener Ausflug, der die Probleme des Waldumbaus und die Erfolge und auch einige Misserfolge aus 40 Jahren zeigte.

 

Text: Willi Grope und Agnes Daub