Helleborus: Die Pflanzen für Verrückte

Mit homo helleborosus meinte man im alten Rom einen Menschen, der Helleborus nötig hat, d.h. nicht recht bei Verstand ist. Denn Helleborus ist der lateinische Name der Nieswurz, einer Gattung der Hahnenfußgewächse, deren Vertreter früher als Heilmittel bei Geisteskrankheiten eingesetzt wurden. Dabei war die Niesreiz auslösende Wirkung der Pflanzen auschlaggebend. Nach der antiken Säftelehre wurden psychische Erkrankungen durch einen Überschuss an schwarzer Galle erklärt und Niesen galt als die beste Abhilfe.

In Deutschland sind drei Arten heimisch, die alle schon früh im Jahr blühen und die wir auch im Kreis Goslar finden können.

Die Schwarze Nieswurz oder Christrose (Helleborus niger) hat weiße Blüten und ist bei uns eine beliebte Zierpflanze in den Vorgärten. Heimisch ist sie in den östlichen Alpen.

 Abb. 1. Schwarze Nieswurz oder Christrose

Die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) ist in Mitteleuropa weiter verbreitet. Die verstreuten Vorkommen im Kreis Goslar sind aber wohl auf menschlichen Einfluss zurückzuführen. Ein großes Vorkommen gibt es im Südteil des Nauer Berges. Die grünen Blüten haben eine eigene Heizung, die über Hefekulturen funktioniert. Die Hefen zersetzen Nektar und erzeugen dadurch in der Blüte Temperaturen, die bis zu 6°C über der der Umgebung liegen können. Damit können sie auch bei tiefen Temperaturen Hummeln zur Bestäubung anlocken.

 Abb. 2. Stinkende Nieswurz im Schnee (Nauer Berg)

Die Grüne Nieswurz (Helleborus viridis) blüht, wie der Name schon sagt, ebenfalls grün. Wir haben sie auf der Winterexkursion im Raum Liebenburg kennengelernt. Auch dieses Vorkommen an der Grenzler Burg dürfte menschlichen Ursprungs sein.

Abb. 3. Grüne Nieswurz im Liebenburger Forst an der Grenzler Burg

Alle drei Nieswurz-Arten sind giftig. U. a. enthalten sie stark herzwirksame Substanzen. Ihre Anwendung als Arzneidroge ist aber sehr kritisch. So weisen schon alte Kräuterbücher auf die Gefahr einer Überdosierung hin: „Drei Tropfen machen rot, 10 Tropfen machen tot“.

Text und Fotos: Dr. Florenz Sasse, Braunschweig